Wort vom Pfingst-Sonntag 2

Die religiösen Autoritäten dachten, sie hätten das „Problem Jesus“ ein für alle Mal erledigt. Die Schüler Jesu hatten sich nach seinem Abschied in eine geschlossene Gesellschaft zurückgezogen. Als sie an Pfingsten vom Feuer des Heiligen Geistes erfasst wurden, wurden sie plötzlich wie zu Jesu Zeit wieder öffentlich wahrnehmbar. Petrus, der einige Wochen vorher Jesus verleugnet hatte, sprach zur Volksmenge (die erste Pfingstpredigt). Daraufhin ließen sich allein an diesem Tag 3000 Menschen zur Vergebung ihrer Sünden taufen. Und täglich schlossen sich weitere an.

Auch in der Kirche ist die Mobilisierung der Menschen durch das Wirken des Heiligen Geistes nicht allen geheuer.

Bernd erzählte von einer Kirche in der Londoner Innenstadt, in der es, wie in manchen Gemeinden hierzulande, sehr formell zuging und dem Heiligen Geist nicht viel Raum gegeben wurde. Eines Tages kam eine Frau zum Gottesdienst, die kurz zuvor Christin geworden war. Sie war ganz begeistert von den neuen Erfahrungen. Mitten im Gottesdienst rief sie auf einmal „Halleluja!“ Ein Kirchenvorsteher kam und tippte ihr auf die Schulter: „Meine Dame, das können Sie hier nicht sagen.“ Sie antwortete: „Aber ich bin so begeistert, ich bin zum Glauben gekommen!“ Darauf der Kirchenvorsteher: „Nun ja, aber gewiss nicht hier.“

In dieser Gegend gibt es Kirchenverantwortliche, die ausdrücklich froh sind, dass – wie sie sagen – der Heilige Geist im 19. Jahrhundert um ihren Ort einen großen Bogen gemacht hat. Sie meinen die Zeit, in der Pastor Louis Harms als Evangelist die Menschen in der Heide aufrüttelte, was schließlich zur Gründung der Hermannsburger Mission führte.

Der Liedermacher Manfred Siebald wandelte das Pfingstlied ab:
Statt „O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein“
„O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns aus

Wort vom Pfingst-Sonntag, dem Geburtstag der Kirche

Ihr wisst, für Geburtstagskinder
wird im Kirchenzelt immer ein Geburtstagslied gesungen,
so auch am Sonntag für die Kirche:

O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein!
Gieß aus Dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter Regent uns zugesagt,
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliff’nen Waffen der ersten Christenheit.

Unglaub‘ und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je,
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

Wort vom Sonntag nach dem Feiertag Christi Himmelfahrt

Bernd hatte es wieder mit einem schwierigen Text zu tun:
Mit
dem größten Problem der Christen:
Der fehlenden Einheit – und damit
der fehlenden Glaubwürdigkeit.

Zum Pastor einer New Yorker Gemeinde kommt eine Afroamerikanerin und bittet um Aufnahme in die Gemeinde. Der Pastor sagt ihr, das sei nicht so einfach. Sie müsse erst einmal Gott fragen, ob diese Gemeinde die richtige für sie sei. Die Frau geht nach Hause und fragt Gott. Nach ein paar Tagen klingelt sie wieder beim Pastor. Der Pastor ist erstaunt. „Haben Sie schon eine klare Antwort von Gott?“ „Ja“, sagt die Frau. „Gott hat mir gesagt: Der Pastor hat recht! Es ist nicht so einfach, in diese exklusive Gemeinde aufgenommen zu werden. Ich versuche es schon seit Jahren.“

Nachdem Jesus seinen Schülern zum Abschied noch viel zu sagen gehabt hatte,
betete er für sie, bevor er sich der Verhaftung stellte:
Die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben,
sodass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und Du in mir,
dass sie vollständig eins seien,
sodass die Welt erkennt,
dass Du mich gesandt hast
(Evangelium nach Johannes, Kapitel 17)

Einheit in Verschiedenheit.
Einheit durch Gleichmacherei oder Gleichschaltung ist keine Kunst.
Das ist der Weg von Sekten und von Herrschern und Ideologen,
die den Himmel auf Erden errichten wollen.
„Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produzierte stets die Hölle.“
Sir Karl Raimund Popper, österreichisch-britischer Philosoph

Einheit in Verschiedenheit ist nur durch Liebe möglich.
Jesus fügt deshalb den beiden wichtigsten Geboten,
nämlich Gott und seinen Nächsten zu lieben,
ein neues Liebesgebot für die Christen hinzu:
Ich gebe euch ein neues Gebot:
Liebt einander!
So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.
Daran werden alle erkennen,
dass ihr meine Schüler seid,
wenn ihr einander liebt.
(Evangelium nach Johannes, Kapitel 13)

Jesus sagt:
Wenn die Christen nicht erkennbar Einheit in Liebe praktizieren,
sind sie nicht glaubwürdig, nicht überzeugend.

Eine große Herausforderung und ein Zukunftsprogramm,
denn im Himmel wird es keine Konfessionen geben.
Im Kirchenzelt wird geübt:
Der evangelisch-Lutherische Kirchenkreis
finanziert Bernds Gehalt und ermöglicht dadurch,
dass im Kirchenzelt Christen aller Konfessionen gemeinsam
Geschichten aus der Bibel hören und sehen und Gottesdienst feiern.
Und manche Skeptiker kommen auch.

Das Wort vom Sonntag Rogate, dem „Bitt-Sonntag“ des Kirchenjahres

Rogate: (Lateinisch) Fragt, bittet

Bernd erzählte und illustrierte das Gleichnis vom Gott-losen Richter und der Witwe,
nachzulesen im Evangelium nach Lukas, Kapitel 18.
Jesus wollte seinen Schülern damit die Notwendigkeit klarmachen,
sich stets an Gott zu wenden und sich dabei nicht entmutigen zu lassen.
Die Witwe wollte, dass der Richter ihr Recht verschafft. Doch er wies sie immer wieder ab. Sie ließ nicht locker und kam immer wieder. Schließlich war der Richter genervt und befürchtete, dass die Witwe handgreiflich würde, und verhalf ihr zu ihrem Recht.
Jesus sagte seinen Schülern:
Wenn schon der ungerechte Richter die Witwe erhört hat,
wird Gott dann nicht den Christen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, Recht schaffen?

Es ist wichtig, im Gebet nicht nachzulassen.
Und es ist wichtig, offen für Gottes Perspektive zu sein.
Es wäre oft nicht gut für uns,
wenn Gott unsere Gebete nach unseren Vorstellungen erhören würde.
(Es kommt vor, dass er es tut, damit wir daraus lernen.)
Doch: „Geschieht nicht, was wir wollen, so geschieht, was besser ist.“
(Martin Luther)