Wort zum Sonntag – Ostern 2017

Bedenke, Freund, es wäre wahr

Eine jüdische Anekdote: Ein ungläubiger und zweifelnder Mann kommt zu einem Rabbi, um mit ihm über die Auferstehung zu diskutieren. Der Rabbi sagte nur einen einzigen Satz: „Bedenke, Freund, es wäre wahr!“ Dann drehte er sich um und verschwand.

Da steht er nun, dieser weise Rat im Leben des ungläubigen Mannes. „Bedenke, Freund, es wäre wahr!“ Was wird er tun? Wird er es wagen, in zu befolgen?

Wird er es bedenken, tief und anhaltend bedenken? Oder wird er sich jetzt erst recht in ein Leben stürzen, das ihn unter Garantie diesen Rat vergessen lässt,  in ein Leben vielleicht voller stolzer Arbeit, voller Erfolge, voller Erlebnisse – aber leer, was das große Geheimnis unseres Daseins betrifft? Bedenke – es wäre wahr!

»Was wirst du machen mit diesem Rat?« Das ist die große Frage an uns – auch und gerade an Ostern und danach!

Da gehen die Frauen zum Grab. Sie wollen ihrem Herrn einen letzten Dienst erweisen, ihn einzubalsamieren, so wie es im Judentum Brauch war.

Ihre Gedanken sind voller Trauer, Hoffnungslosigkeit hat sie seit Karfreitag ergriffen. Es ist dunkel geworden in ihrem Leben. Welche große Hoffnungen haben sie an Jesus geknüpft?

In seiner Nähe, da haben sie sich wohlgefühlt, da schien die Welt in Ordnung zu kommen.

Das Brotwunder, die Heilungen an Leib und Seele, die Art und Weise, wie ER mit den Kindern umging. Wie er die Jünger in ihrer Unterschiedlichkeit annahm, auf sie einging und ihnen Perspektiven aufzeigte. Und jetzt war alles aus – vorbei.

Seine Worte – Makulatur. Geredet für den Papierkorb der Geschichte. Seine Taten – nur noch schöne Märchen.

Aber dann der Engel am offenen Grab: „Fürchtet euch nicht! Er ist auferstanden!“

Was könnte das im Leben dieser Frauen bedeuten? Dass doch nicht alles aus ist?  Dass es doch eine Hoffnung gibt? Das seine Worte doch tragen und einen Sinn stiften? Das sie doch Halt im Leben geben? Was könnte das für uns heute bedeuten?

Wenn Jesus wirklich auferstanden ist, dann ist er die eigentliche, alle unsere Realitäten umschließende Wirklichkeit.

Wenn Jesus zu einem neuen Leben auferstanden ist, dann ist ER der Inbegriff des Lebens.

Ein Dasein ohne ihn zu fristen, hieße schlicht, das Leben zu versäumen.

Es wäre doch ein Jammer, hätten wir in unserer Zeit nicht wirklich gelebt, sondern nur biochemisch existiert. Gott jedoch schenkt Leben, das sich vom Tod nicht zerstören lässt.

Lebendige Hoffnung, Leben in Ewigkeit, das ist verbürgt in dem einen Wort: Jesus Christus! Bedenke, Freund, es wäre wahr!

 

Bernd Knobloch, Wietzendorf

Diakon bei Kirche im Tourismus

Wort zum Karfreitag – 2017

Wie lieb ist der liebe Gott?

Seit ein paar Jahren bin ich Opa. Und ich habe gelernt: Opas müssen lieb sein. Sie müssen es nicht so genau nehmen. Sie lassen den Enkeln mehr durchgehen, als Eltern es tun sollten.

Viele Menschen meinen heute, so ein großzügiger Opa sei auch der liebe Gott – wenn sie überhaupt noch über Gott nachdenken.

Woher wissen wir überhaupt, dass Gott „lieb“ ist? Andere fragen angesichts von Gewalt, Not und Ungerechtigkeit mit Wolfgang Borchert: „Wann bist du eigentlich lieb, lieber Gott?“ Es passieren Dinge auf der Welt, die passen nicht zusammen mit dem Glauben an den lieben Gott. Wer Gott für einen lieben Opa hält, kennt Gott nicht. Es stehen auch in der Bibel Sätze, die passen nicht zusammen mit dem Glauben an den lieben Gott.

Karfreitag steht vor der Tür.  Es ist ein „dunkler Tag“ – als Jesus am Kreuz seine letzten Atemzüge tat, „wurde es plötzlich dunkel im ganzen Land.“ Gott ließ zu, dass Jesus gekreuzigt wurde. Er griff auch nicht ein, als sie Jesus verspottet und blutig geschlagen haben. Wo war da „der liebe Gott“?

Schon meine Großmutter hat mich gelehrt, statt vom „lieben Gott“ vom „liebenden Gott“ zu reden. Warum?

Der „liebe Gott“ klingt zu sehr nach dem „lieben Opa“, der schon mal beide Augen zudrückt. Gott ist kein lieber, aber ein liebender Gott. Er sieht den Menschen in seiner Verlorenheit und kommt ihm in unendlicher Barmherzigkeit entgegen. Er zieht Menschen aus dem Sumpf und stellt sie auf festen Grund – verkrachte Existenzen, kaputte Ehen, Suchtkranke, Verzweifelte, Einsame.

Dieser Gott ist ein Handelnder, ein redender und ein aufrichtender Gott. Er will keine lauwarmen Mitläufer und Augenwischer. Er will Leute, die sich entscheiden – ja oder nein. Leute, die ihre Schuld nicht mehr ertragen können. Die nach Vergebung schreien.

Der Spruch für den Karfreitag steht im Johannesevangelium 3,16 und beschreibt die Liebe Gottes auf einzigartige Weise:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

Bernd Knobloch, Wietzendorf

Diakon für Kirche im Tourismus