Wort vom Sonntag: Vom Sklaven zur rechten Hand des Pharao (3) Keine einfache Pseudolösung

Josef erspart seinen Brüdern nicht die Konfrontation mit ihrem Verbrechen, ihrer Schuld.
Er verdrängt nicht, er übertüncht und verwischt nicht, er beschönigt nicht,
aber er verzichtet auf Vergeltung.
Er weiß: Selbstjustiz ist Anmaßung und Dummheit.
Uns fehlen der Überblick, die nötige Distanz und die Weisheit.
Josef sagt zu seinen Brüdern, als sie seine Vergeltung fürchten:
Bin ich denn an der Stelle Gottes?
Er weiß, dass er sich auf Gott verlassen kann:
Ihr habt Böses gegen mich geplant,
Gott hats umgeplant zum Guten.

Josef macht sich nicht zum Sklaven der Vergangenheit.
Er versöhnt sich mit seinen Brüdern, die ihre Schuld einsehen und bereuen,
und überlässt das Weitere der Gerechtigkeit Gottes.
Sören Kierkegaard hat darauf hingewiesen:
Leben lässt sich nur rückwärts verstehen,
muss aber vorwärts gelebt werden.

Im Vertrauen auf Gott.
Das setzt eine intakte Beziehung voraus.
Die können wir von Josef durch alle Höhen und Tiefen lernen.

Wort vom Sonntag: Vom Sklaven zur rechten Hand des Pharao (2)

Es ist unmöglich,
in einem Gottesdienst
die ganze Geschichte Josefs zu erzählen und zum Thema zu machen.

Bernd unternahm einen Streifzug.
Die älteren eifersüchtigen Brüder verkaufen Josef als Sklaven nach Ägypten.
Ihrem Vater erzählen sie,
sein Lieblingssohn sei von einem wilden Tier getötet worden
und liefern auch ein Beweisstück.
Josef macht in Ägypten als Sklave Karriere,
bis er unschuldig ins Gefängnis kommt.
Nach seiner Befreiung macht er Karriere
als rechte Hand und Krisenmanager des Pharao.
Während einer Dürrekatastrophe kommen seine Brüder nach Ägypten,
um dort Getreide zu kaufen.
Die Gelegenheit zur Vergeltung …

Wort vom Sonntag: Vom Sklaven zur rechten Hand des Pharao (1)

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes wie schon im Kinderprogramm der Woche
stand Josef.
Nicht der Mann Marias,
sondern der elfte von zwölf Söhnen Jakobs, des Stammvaters Israels.

Es ist nicht so lange her,
da kannte nicht nur jeder Israeli,
sondern auch jedes Kind im „Christlichen Abendland“ Josefs Geschichte.
Heute im „postchristlichen Abendland“, in der „Postmoderne“ anders ist das anders.
Das kann auch Vorteile haben, die wir nutzen sollten.
Denn wenn interessante und wichtige Geschichten allzu geläufig werden,
dann übersehen wir leicht, was sie uns zu sagen haben.
Doch wenn wir die spannenden und wichtigen Geschichten der Bibel
auch spannend erzählen,
dann sagen sie uns vielleicht mehr als früheren Generationen.
Ratgeber-Literatur hat Konjunktur.

Jakobs Großvater Abraham verließ im Vertrauen auf Gott Babylonien,
eine der antiken Hochkulturen,
und wurde Nomade in Israel.
Gott hatte zu Abraham gesprochen:
Verlass deine Heimat, deine Verwandtschaft, dein Vaterhaus und
geh in das Land, das ich dir zeigen werde.
Ich will dich zu einem großen Stamm machen …

Auch Abrahams Sohn Isaak und sein Enkel Jakob mit seinen zwölf Söhnen
lebten als Nomaden in Israel, bis …
sie nach Ägypten zogen, eine andere Hochkultur der Antike.
Das hängt mit der spannenden Geschichte Josefs zusammen.
Nachzulesen in Genesis (1. Buch Mose) 37 – 50,
wohl auch in jeder Kinderbibel, hoffentlich vollständig und gut erzählt und illustriert.

Wort vom Sonntag – Christen sind die Familie Gottes

Der Chef des Kirchenkreises, Herr „Superintendent“ Schütte,
war wieder einmal im Kirchenzelt und predigte über einen Text aus dem Brief,
den Paulus an die Gemeinde in Ephesus schrieb (2, 17 -22).
Darin heißt es u. a.:
„Folglich seid ihr also nicht mehr Fremde oder Gäste …,
sondern … ihr gehört zur Familie Gottes …“

Bernd hatte vorher einen Ausschnitt
aus einem Film des ZDF über die erste christliche Gemeinde gezeigt,
wie sie in der sog. Apostelgeschichte (2, 41 ff) beschrieben wird.
Es wurde deutlich, wie weit sich die Kirche von ihren Wurzeln entfernt hat.
Die Christen verstanden sich wirklich als Familie Gottes,
ganz alltäglich und für alle erkennbar.
Sie waren bei den Leuten beliebt und bei den religiösen Führern unbeliebt.
Die Gemeinde war attraktiv und wuchs stetig.

Wort vom Sonntag – Wer ist Christ? II

Was bedeutet es, Christ zu sein,
oder anders gesagt, was bedeutet es, Jesus Christus zu folgen?

Jesus war zum Ärger der religiösen Führer ein Publikumsmagnet,
er hatte viele Follower.

Deswegen machte er immer wieder nachdrücklich klar:
Ihm zu folgen, ist kein Happening, kein Sonntagsspaziergang.
Jesus zu folgen, erfordert den ganzen Einsatz, eine eindeutige Priorität.
Predigttext war aus dem Evangelium nach Lukas 14,25-33
Jesus sagte: Überlegt euch gut, ob ihr mir folgen wollt!
Wer einen Turm bauen will, der kalkuliert vorher die Kosten und klärt die Finanzierung,
sonst macht er sich zum Gespött der Leute.

Bernd erzählte seine eigene Geschichte:
Er war als ältester Sohn Hofnachfolger
und hatte bereits die Ausbildung für den landwirtschaftlichen Betrieb absolviert,
als ihm klar wurde, dass er Diakon werden sollte.
Seinen Eltern gefiel das so wenig wie es wohl Zebedäus gefiel,
als seine Söhne Johannes und Jakobus den Fischereibetrieb verließen,
um Jesus zu folgen.

Christoph Zehendner schrieb das Lied:
Folgen – Leben mit Jesus hat Folgen.
Die alten Pläne und Ideen zähl’n nicht mehr. …
Folgen heißt,
zu opfern, was lebenswichtig scheint,
heißt,
manches aufzugeben, was man zu brauchen meint,
heißt,
viel mehr zu gewinnen, als man verloren hat …
http://www.youtube.com/watch?v=usM453N5ZE0
http://www.youtube.com/watch?v=ugdS7OQAG88
Wenn Bernd es singt, gefällt es mir allerdings besser.

Wort vom Sonntag – Wer ist Christ?

Als Einführung zeigte Bernd Passanten-Interviews aus einer Großstadt
für eine Sendung von Anne Will.
„Welche Bedeutung haben der Karfreitag und das Osterfest?“
Nur einer konnte die Frage richtig beantworten: Ein Muslim.

Was bedeutet es, Christ zu sein,
oder anders gesagt, was bedeutet es, Jesus Christus zu folgen?
Die Antwort auf diese Frage dürfte den meisten Menschen noch schwerer fallen.

Der Philosoph Karl Jaspers meinte:
Als Christ soll jeder gelten, der sich dafür hält.

In einer SPIEGEL-Kolumne schreibt Jan Fleischhauer
im Zusammenhang mit der neuen Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche
zum Thema „Familie“:
Wer für alles Verständnis zeigt, wird irgendwann sprachlos.
Dann ist auch der gute Rat nichts mehr wert.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-fleischhauer-ueber-den-leitfaden-der-ekd-zum-thema-familie-a-906895.html

Albert Schweitzer,
Arzt, Theologe, Musiker, Philosoph, Friedensnobelpreisträger und
Gründer des berühmten Krankenhauses in Lambaréné in Zentralafrika
sagte einmal:
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.
Man wird doch auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.

Wird man durch die Konfirmation Christ?
Drei evangelische Pfarrer sprechen darüber,
wie man Fledermäuse aus dem Kirchturm vertreiben kann.
Der erste erzählt: Ich habe es mit Ausräuchern probiert.
Jetzt stinkt die Kirche, und die Fledermäuse sind schon wieder da.

Der zweite: Ich habe es mit Kanonendonner probiert – mit dem Ergebnis,
dass die Fledermäuse wieder da sind und ich einen Hörschaden habe.

Der dritte: Ich habe keine Fledermäuse mehr im Kirchturm!
Die anderen: Wie hast du denn das geschafft?
Ganz einfach: Ich habe die Fledermäuse konfirmiert!
Daraufhin hat sich nie wieder eine Fledermaus in der Kirche blicken lassen!

Wer hat das Recht, sich Christ zu nennen?
Jesus Christus gibt die Antwort:
Allen, die ihn aufgenommen haben, gab er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden.
Evangelium nach Johannes (1,12)
Beim Christ-Werden und Christ-Sein
geht es um eine persönliche Beziehung.

Bernd erzählte die Geschichte
der Begegnung von Jesus und dem Oberzöllner Zachäus
und zeigte dazu Cartoons.
http://www.wortimbild.de/shop/Buecher/Cartoon-Malbuecher/Cartoon-Zachaeus-stand-lachend-im-Garten.html?listtype=search&searchparam=zach%C3%A4us
Zachäus hatte schon viel von Jesus gehört und wollte ihn unbedingt sehen,
als er nach Jericho kam.
Doch weil Zachäus ein kleiner Mann war und äußerst unbeliebt,
hatte er keine Chance in der Volksmenge.
Deshalb stieg er auf einen Baum.
Jesus sah ihn und sprach ihn an:
Zachäus, ich muss heute dein Gast sein.
Die Leute waren empört. Ausgerechnet Zachäus …
Ihr findet die Geschichte im Evangelium nach Lukas (19),
bestimmt auch in jeder Kinderbibel.

Der französische Dominikanerpater Père Cocagnac
hat darüber eines seiner Chansons biblique geschrieben.
http://www.youtube.com/watch?v=DtuTSrJ6Clw
Die deutsche Version habe ich nicht im Internet gefunden.
Obwohl ich kein Französisch kann, höre ich gerne das Original.
Der Refrain in der deutschen Version:
Zachäus, steig eilends vom Baum herab,
der Herr will zu Gast sein bei dir,
steig eilends vom Baum herab und hab
für Ihn eine offene Tür.

Ich habe aber die deutsche Version
eines anderen Chansons von Père Cocagnac gefunden:
Du tust oft so klug und weise,
gesungen von Jean-Marc Monhart,
in dem ein anderer Zöllner vorkommt:
Und ein Mann, Matthäus hieß er,
saß am Zoll, doch plötzlich ließ er
alles gehn und stehn.
Denn um Gott nicht zu verpassen,
musste er die Kasse lassen
und mit Jesus gehn.
Refrain:
Ja, dein Fernweh ist groß
nach dem Lande der Freude,
deine Augen verraten es mir.
Nur dein Blick sucht das Glück
noch im Wolkengebäude,
das den Glanz deines Gottes verbirgt.
http://www.youtube.com/watch?v=6X324lgulDc